Donnerstag, 19. Februar 2015

Istanbul I/III


Die Zeit vor Istanbul war hart. Die Tage dunkel und kurz, die Nächte lang und voller Alpträume, tagsüber war mein Kopf gleichzeitig mit Gedanken vollgestopft und komplett leer. Kopfschmerzen, Schwindel, Traurigkeit, Selbstzweifel. Meine Mama war voller Sorge, sie fragte mich, ob ich mir diese Reise wirklich antun möchte, ob mir das nicht alles zu viel werden würde. Auch ich habe geschwankt, es ist nie einfach, den sicheren Hafen zu verlassen, auch wenn es nur für einige Tage ist. Aber tief in mir wusste ich: Wenn ich das jetzt nicht mache, dann war's das. Dann habe ich endgültig aufgegeben und der Nebel alles verschlungen, wonach er schon so lange greift. Und das gönne ich ihm nicht, niemals! Also habe ich die Zähne zusammengebissen, Kopf hoch, Rücken gerade und Augen auf.
Und spätestens, als das Flugzeug sich langsam in den Sinkflug begab und ich wusste, dass ich nun neues Land entdecken würde, fühlte sich das Ganze sogar ziemlich gut an. Nur der Nebel wollte sich nicht lichten, er wartete auf mich und hatte in sorgsamer Kleinstarbeit bereits die ganze Stadt in seine langen, kalten Arme gehüllt, um uns zu empfangen. Und obwohl ich wusste, dass ich mich darüber ärgern sollte, freute ich mich ein klein wenig über das altbekannte Wetter, das so nun zumindest eine Konstante für mich bedeutete. Nach einer schwindelerregend schnellen Taxifahrt wurden wir herzlich in unserem Apartment begrüßt und bekamen eine Wohnung im obersten Stockwerk zugeteilt. Wir richteten uns erst ein wenig ein und als wir nach kurzem Schlaf erwachten, stellten wir fest, dass es begonnen hatte, zu schneien. Ich wurde unruhig und wollte so schnell wie möglich nach Draußen und die Nachbarschaft erkunden und fühlte mich, kaum hatten wir die Haustür hinter uns geschlossen, auf einmal unreal lebendig.

Schnee und Regen fallen vom Himmel und werden vom Wind durch die engen Gassen gewirbelt. Unten am Boden verrmischen sie sich mit dem Dampf aus den Heizungsrohren, schmezlen und rinnen die steilen Straßen in tiefen Rinnsalen herab. Menschen eilen über die Bürgersteige und versuchen, so schnell wie möglich Zuflucht in einem der Cafés zu finden, die einen mit einem warmen Luftzug begrüßen. Ich sehe eine völlig durchnässte Straßenkatze, die uns mit großen Augen ansieht, als ich mich ihr aber nähere, bekommt sie Angst und flüchtet sich unter ein Auto. Mir fehlt die Zeit, lange darüber nachzudenken, denn schon muss ich erneut einer dicken Wasserschnur ausweichen, die sich von einem Vordach bis auf den Boden zieht und wir passieren den nächsten Laden mit unreal vollgestelltem Schaufenster, das ich meiner Kamera zeigen muss.
Das Gassengewimmel, die Menschen und die Antiquariate verfolgen mich bis in meine Träume und ich habe Schwierigkeiten, zwischen Traum und Realität zu unterscheiden.



Part one of our adventures in Istanbul.

Kommentare:

  1. Hey, der Text ist sehr schön und ich würde zu gerne die Bilder sehen, aber leider steht da eine Meldung von flickr: "Die Bilder sind nicht mehr verfügbar" :(

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dank für den Hinweis, ich habe es auch gerade bemerkt. Jetzt müsste alles wieder funktionieren :)

      Löschen
  2. Schoener Text und schoene Bilder !!!:$

    AntwortenLöschen
  3. Gefühlvolle, ehrliche Worte und dazu die Fotos, ganz wundervoller Beitrag...

    AntwortenLöschen
  4. wow.. so tolle eindrücke.. schön. <3
    alles liebe. monika

    AntwortenLöschen
  5. Wie schön, ich liebe die Eindrücke, die du mit deiner Kamera immer wieder festhältst & deine schönen Texte dazu ♥

    AntwortenLöschen
  6. das katzenporträt! aber auch sonst, tolle bilder! viel spaß beim abenteuern!

    AntwortenLöschen