Montag, 14. Oktober 2013

Wales Teil V

„In zwei Tagen fahren wir schon weiter nach Dublin“ – Dieser beiläufige Satz meiner Mutter ließ mich an Frühstückstisch aus allen Wolken fallen. Konnte es wirklich sein, dass wir schon zwölf Tage hier verbracht hatten, ohne, dass es mir wirklich bewusst war?
Offenbar schon, denn die Tage flogen nur so dahin, gerade war man noch aufgestanden, da war es auch schon Nachmittag und da wir jeden Tag etwas unternommen haben, wurde es auch keine Sekunde langweilig. Ich ging meine Fotos durch und versuchte, den Urlaub im Kopf chronologisch zu ordnen. Nicht nur für mich, sondern auch für euch, da sich manche dafür interessiert haben, wo genau wir waren und was wir gemacht haben.


Wales ist ein Teil des vereinigten Königreichs, gehört allerdings nicht zu England, worauf die Bewohner dort auch bestehen. Da wir im September nach Irland übergesetzt sind, haben wir uns als Domizil die Halbinsel Anglesey ausgesucht, von deren Hafen Holyhead aus man mit der Fähre nur drei Stunden nach Dublin braucht. Die Menai-Bridge verbindet die Insel mit dem Festland von Wales und im gleichnamigen Ort haben wir in einem hübschen Holzhaus gewohnt, das Teil eines Hüttendorfs war.
Unbewusst haben wir uns damit einen perfekten Standpunkt ausgesucht, da es im Umkreis von ca. 20 Autominuten wunderbare Ausflugsziele gab, die unsere Kapazität von 14 Tagen weit überstiegen.

Sehr geschichtsträchtig ist der Ort Beaumaris, in dem sich die Burg von Edward dem I. aus dem 13. Jahrhundert befindet. Neben der großen Ruine, in der man sich nach Lust und Laune frei bewegen kann, hat der Ort süße kleine Läden und eine hübsche Strandpromenade zu bieten. Nur die Fish und Chips kann ich nicht empfehlen, so schlechte Pommes habe ich meinen Lebtag noch nicht gegessen!!

Conwy ist ein weiterer hübscher Ort, der allerdings deutlich überlaufener ist, als beispielsweise Beaumaris oder Caenafon. Eine immer noch intakte Stadtmauer umgibt den Ortskern und wirklich nett ist, dass man auf dieser einmal rund herum laufen und (wenn man möchte) noch die dazugehörige Burg besichtigen kann. Da wir von Burgen bereits genug hatten, haben wir uns lieber in zwei Dreiergruppen aufgeteilt, einmal Mädchen, einmal Jungs und uns von einem bezaubernden Geschäft ins andere treiben lassen.



Nur zehn Minuten entfernt lag der Ort Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch, den wir aber auch nur deshalb besucht haben, weil er so nah war. Wirklich gelohnt hat es sich nämlich nicht, es handelt sich hierbei um eine Ansammlung heruntergekommener Häuser, an deren Hauptstraße der Bahnhof mit dem fast schon lächerlich langen Namen gebaut ist. Ein gewitzter Bürger hatte sich diesen anscheinend mal ausgedacht, um Touristen aus aller Welt anzulocken, was ihm definitiv gelungen ist. Die Gemeinde hat diese Chance allerdings nicht wirklich genutzt, da außer einem furchtbar ramschigen Billigladen sonst nichts geboten ist.

Mein persönliches Highlight war der ehemalige viktorianische Badeort Llandudno (Aussprache: Slandidno). Im 19. Jahrhundert haben die Engländer aus diesem Ort ein pittoreskes Seebad gemacht, das viele Vergnügungsmöglichkeiten bot. Da die Waliser lange Zeit unter den Engländern zu leiden hatten, haben sie viele englische Bauwerke nach ihrer erlangten Unabhängigkeit nicht weiter restauriert, sondern verfallen lassen. Das betraf auch Llandudno, das dadurch seinen ganz besonderen Charme erhält. Überall finden sich viktorianische Elemente wider, sei das der romantische hellblau-weiße Pier oder riesige, verschnörkelte Villen, allerdings hat das alles mal bessere Zeiten gesehen und es finden sich klare Zeichen des Verfalls. Diese Kombination lässt den Ort wie eine Filmkulisse wirken und ich habe mich mehrmals dabei ertappt, wie ich mir die Handlung für einen Thriller zusammengeschustert habe, der genau in diesem Ort spielt.
Llandudno liegt am great Orme , einer Bergkuppe, die man mit einer Standseilbahn befahren kann. Der Blick ins Tal ist spektakulär, obwohl das Restaurant auf dem Gipfel mit seiner Kantinenatmosphäre und überteuerten Speisen nicht gerade dazu einläd, sich dort niederzulassen. Wir haben uns am Fuß des Berges nochmal auf Fish und Chips eingelassen, ich hatte einen Veggie-Burger, der gar nicht mal so schlecht war!


Der lange und wunderschöne Sandstrand, von dem ich hier berichtet habe, befindet sich bei Newborough. Bei gutem Wetter sollte man früh aufstehen, sonst geht es einem wie uns und man steht eine gute Stunde im Stau. Die Zufahrt zum Parkplatz kostet nämlich eine Kleinigkeit und die Schranke lässt immer nur ein Auto durch. Wer schlau ist, nimmt sich am besten auch noch einen Sonnenschirm, oder noch besser, ein Segel mit, das sowohl gegen den Wind, als auch gegen die sehr heiße Sonne schützt.

In Caenarfon habe ich mich ein bisschen gefühlt, wie in Italien, bzw. Regensburg (was so gesehen ja fast dasselbe ist :3). Viele kleine Gässchen, bunte Häuser und natürlich die obligatorische Burg. Meine Schwester und ich haben uns dort dem Crabbing gewidmet, nachdem ich gefühlte dreihundert Fotos vom schönen Ortskern gemacht habe. Im Vergleich zu anderen walisischen Restaurants und Bars ist in Caenarfon alles unglaublich günstig, hier lohnt es sich also, einmal richtig essen zu gehen.


Neben den tollen Fischerorten hat Wales natürlich auch landschaftlich einiges zu bieten. An fast allen Küstenabschnitten kann man entlangwandern und nicht nur hohe Klippen, sondern auch Buchten, verlassene Strände oder sogar Höhlen erkunden. Wir haben in der Nähe von Amlwch eine tolle Wanderung gemacht, auf der viele, viele Fotos entstanden sind.
Ganz besonders zu empfehlen ist natürlich der Snowdonia-Nationalpark, den man unbedingt mindestens einmal besucht haben muss, wenn man sich in der Nähe aufhält. Ich für meinen Teil bin zwar nicht so wanderverrückt wie meine Eltern, aber hier hat mich die unbeschreibliche Schönheit der Landschaft vollkommen in ihren Bann gezogen. Wenn man ganz oben auf dem Gipfel des Mt. Snowdon steht, sieht man bei gutem Wetter, so wie wir es zum Glück hatten, auf eine karge Geröllandschaft, die nach unten hin in weiche, grüne Hügel übergeht, die zum Teil strahlend blaue Seen beherbergen. Das Bergmassiv mündet im endlosen Meer und die Luft ist kristallklar.
Eine Aussicht wie diese, bleibt einem noch lange im Gedächtnis haften, ich für meinen Teil hoffe für immer. Wobei ich auch nichts gegen eine Auffrischung dann und wann hätte.
Wenn man den Snowdon sehen möchte, hat man mehrere Möglichkeiten. Man kann entweder auf die harte Tour hoch- und wieder herunterwandern, was ca. 6 Stunden Gehzeit in Anspruch nimmt. Auf den Berg fahren allerdings auch Zahnradbahnen, die einen innerhalb einer Stunde auf den Gipfel transportieren. Obwohl die Preise dafür hoffnungslos überteuert sind, rate ich es doch jedem, der nicht unbedingt Lust hat, vier Stunden stur geradeaus bergauf zu gehen, denn der leichteste Weg nach oben ist furchtbar langweilig und durch die viele Anstrengung hat man auch nicht viel von der Landschaft.
Wir haben die Bahn nach oben genommen und sind besagten Weg dann nach unten gegangen. Schön gemütlich, mit vielen Fotopausen, trotzdem war es wirklich anstrengend und ich habe danach Muskeln gefühlt, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass sie überhaupt existieren.


Gesprochen werden in Wales sowohl britisches Englisch, als auch Walisisch (Kymrisch). Unter sich sprechen Einheimische sehr gerne Walisisch, was man beispielsweise im Supermarkt mitbekommt und auch im Fernsehen laufen walisische Kindersendungen. Dementsprechend kann man seinem Gesprächspartner mit einem walisischen Hallo (bore da!) oder Auf Wiedersehen (ffarwél) eine große Freude machen.
Erstaunlich oft trifft man auf Menschen, die rudimentäre Deutschkenntnisse besitzen, darauf kann man sich allerdings nicht verlassen, weshalb Englisch auf Niveau B1 und besser durchaus zu empfehlen ist. Wer sich mit seinen Fähigkeiten unsicher ist, wird seine Scheu dort auch sicher schnell verlieren, da die Waliser und auch die anderen britischen Touristen sehr geduldige Zuhörer sind und viel loben. Nichtenglische Besucher sind in Wales übrigens sehr rar, wir waren weit und breit die einzigen Deutschen, was durchaus seine Vorteile hat.

Das Essen in Großbritannien ist bekanntlich nicht das Beste, was ich auch für Wales bestätigen kann. In den Restaurants klingen die meisten Gerichte auf der Speisekarte meistens besser, als sie letztlich sind, denn egal, was man bestellt, man bekommt zu 90% etwas Frittiertes oder in Sahne getränktes.
Wir haben deshalb hauptsächlich „fremdgegessen“, sprich einen Inder oder Italiener besucht. Wer allerdings die Möglichkeit dazu hat, kann auch jederzeit selbst kochen, die Supermärkte sind nämlich traumhaft gut ausgestattet, was mein Vegetarierherz nicht nur einmal aufblühen ließ. Selbst in den kleinsten Lädchen gibt es immer eine große Auswahl an frischem Obst und Gemüse und erstaunlich viele Fleischalternativen.


Der Nahverkehr ist nicht wirklich gut ausgebaut und ohne Auto hat man definitiv Probleme, alle Orte zu erreichen. Deshalb sollte man sich nach Möglichkeit vor Ort ein Auto mieten, oder direkt mit dem eigenen Auto und der Fähre anreisen. Je nach Personenzahl ist das nämlich um einiges günstiger, wenn man bedenkt, dass nicht nur der Flug, sondern auch noch das Mietauto gehörig ins Geld gehen. Um in Wales Auto zu fahren, braucht man ein gewisses Selbstbewusstsein, da zum einen Linksverkehr herrscht und die Straßen zum anderen oft sehr eng und uneinsehbar sind. Die Autobahnen allerdings entsprechen dem deutschen Standard und sind sehr angenehm zu befahren, sofern man sich daran gewöhnt hat, von rechts überholt zu werden.

Im Bereich Unterkunft hat man mehrere Möglichkeiten. Da wir zu sechst unterwegs waren, sind sowohl Wohnmobil, als auch Bead&Breakfasts weggefallen, weshalb wir uns für zwei Wochen ein Haus als Selbstversorger gemietet haben. Es ist sehr komfortabel, wenn man nicht jeden Tag packen muss, wenn man selbst kochen kann und sein Zeug überall ausbreiten darf. Der Nachteil allerdings ist, dass man angebundener ist und die Reichweite für Tagesausflüge nicht über 50km hinausgeht. Dadurch sieht man zwar nicht unbedingt weniger vom Land, oben habe ich ja schon darüber berichtet, aber man kommt auch nicht groß rum, Cardiff beispielsweise war für uns unerreichbar.
Wer nur zu zwei oder zu dritt reist, kann sich allerdings durchaus überlegen, ob Camping nicht eine Alternative wäre, Campingplätze gibt es nämlich zu Hauf und zur Not findet man auch immer ein Bead&Breakfast, falls man sich etwas Komfortableres wünscht.


Das war alles, was mir zu dem Thema eingefallen ist, nach drei Wochen zähle ich mich auch noch lange nicht zu den Wales-Spezialisten. Wenn ihr aber trotzdem noch eine Frage habt, könnt ihr sie gerne unter diesen Beitrag schreiben, ich werde mir Mühe geben, sie zu beantworten. Das war im Übrigen auch der letzte Wales-Post, es folgt noch einer über Dublin und dann bin ich endlich alle Fotos losgeworden :)

Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV

Kommentare:

  1. Ich finde deine Bilder total schön! Die Intensivität der Farben und ebenfalls die Motive, die du dir suchst! Du hast ein Auge für schöne Motive! :)

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