Samstag, 18. Oktober 2014

Cornwall - Auszüge aus meinem Tagebuch


Nach allem, was im vergangenen Jahr passiert ist, ist es ein seltsames Gefühl, mit meiner Familie - zu sechst - im Urlaub zu sein. Oft kommt es mir so vor, als sei ich in eine Zeitschleife geraten. Alle sind wie immer, alles IST wie immer. Nur ich nicht. Als würde ich einfach nicht hineinpassen.

Anfangs hatte ich großes Heimweh, die anstrengende Zeit in London, die lange Autofahrt, das alles forderte irgendwann seinen Tribut. Also lag ich am ersten Abend wie ein Häufchen Elend auf der Couch und habe mir die Augen aus dem Kopf geweint. Verzweiflung, Schuld, Überforderung, Einsamkeit... Es wurde erst nach einer guten Stunde besser, als Leonie ein Feuer im Kamin angezündet hat, vor das ich mich gelegt habe und nachdem ich eine warme Malzeit im Bauch hatte.
Jetzt, nach einem erholsamen Schlaf, sieht meine Welt schon wieder anders aus. Unsere Unterkunft ist toll, sie erinnert mich ein bisschen an das Haus meiner ehemaligen Kindergartenfreundin und Tochter meiner Tagesmutter. Es ist eine Mischung aus uralten Steinmauern und neuem englischen Charme. Das Haus liegt inmitten von einer großen Parkanlage, die wir jederzeit besuchen dürfen. Dort gibt es Wald, Blumen, saftige Wiesen und verwunschene Gewächshäuser. Perfekt für Fotos, mal sehen, ob ich mich dazu aufraffen kann.

Sebastian meinte gestern, dass es vielleicht gar nicht verkehrt ist, dass wir hier kein Internet haben und so sehe ich das auch. Nur, ich vermisse ihn so und stelle mir so oft vor, er würde einfach neben mir liegen und mir über das Haar streichen. Dann kommt es mir fast so vor, als könnte ich ihn neben mir spüren.

Es regnet viel und es gibt nur wenige sonnige Stunden. In der nächsten Woche soll sich das um 180° drehen. Die anderen macht das Wetter verrückt, aber ich mag es sehr. Anders als in den letzten Jahren freue ich mich diesmal auch sehr auf den Herbst und sogar auf den Winter. Vor einigen Wochen war ich sogar richtig deprimiert, weil ich mir anstelle von Hitze und Sonnenschein Schnee, Weihnachten, Kälte und Ruhe gewünscht habe. Die Ruhe muss es wohl sein, weshalb ich den Regen hier liebe. Kein Stress, kein Gehetze wegen des guten Wetters. Nur das beruhigende Prasseln der Tropfen am Fenster, ein warmer Tee (Apfel-Zimt!), viele gute Bücher (aktuell Memoirs of a Geisha von Arthur Golden) und ein warmes Feuer im Kamin.
Mir ist generell nicht nach großen Unternehmungen, alleine ein Besuch im Supermarkt ist mir schon genug Aufregung für einen ganzen Tag. Obwohl ich nichts lieber mache, als mich zwischen den Regalen zu verlieren, Zutatenlisten akribisch zu studieren und mir genau zu überlegen, was von den Waren man in Deutschland nicht bekommt.

"Excuse me, Sir - May I take a picture of you?" "Oh, certainly yes!"
Zwei Männer, die sich an die Ice-Bucket-Challenge auf einem Boot wagen
Neugierige Kühe, die sich leider nicht streicheln ließen

Eindrücke aus dem Eden Project


Entschuldigt, dass ich nicht mit beeindruckenden Landschaftsfotos oder ausführlichen Reiseberichten auftrumpfen kann. Ich habe nur sehr wenige Fotos gemacht in diesem Urlaub, dafür aber ein paar meschlich-fotografische Fortschritte: Zwei mal habe ich mich getraut, einfach jemanden anzusprechen und zu fragen, ob ich ein Foto von ihm machen dürfte. Die Reaktionen waren absolut positiv, was mich sehr glücklich gemacht hat und mir mehr Selbstvertrauen gegeben hat, als sich die netten Herren vorstellen können.

Kommentare:

  1. Oh, ist das schön da! Ich würde auch so gerne mal dort hinfahren, aber der Freund und einzige Urlaubsbegleitung will einfach nicht ... Ich finde die Portraits richtig gut gelungen. Hut ab, dass du so mutig warst, die Leute zu fragen. Ich traue mich das nie. Sagst du auch dazu, dass du die Bilder ins Internet stellen wirst? Ich denke, dass ist für viele der Knackpunkte (wäre es für mich).

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  2. oh so wundervolle eindrücke. gibt es noch mehr zu sehen?? und ich muss mich larissa anschließen, ich hab nie den mut zu fragen. ;)
    liebe grüße. Monika

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  3. wunderbar, wieder etwas on dir zu hören! die bilder sind wunderschön und ich musste den text mit einem lächeln lesen.

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  4. Wunderschön und melancholisch zugleich - und wieder könnte ich noch stundenlang weiter lesen. (:
    <3

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  5. Wow, unglaubliche Bilder! Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte, wirklich schön :-)
    Würde mich freuen, wenn du auf meinem Blog vorbeischaust :-)

    Liebste Grüße!

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  6. wirklich tolle fotos :)

    http://melsmasquerade.blogspot.de/

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  7. Tolle Fotos ! Gefallen mir sehr :)

    Liebe Grüße

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